19 Reiswaffeln im Test

Einen an der Waffel

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 | | Kategorie: Essen und Trinken | 19.10.2012

19 Reiswaffeln im Test

Reiswaffeln sind als Alternative zu Brot oder pur zum Knabbern beliebt. Doch unser Testergebnis ist ernüchternd: Fast alle Produkte enthalten giftiges Arsen und den Krebsstoff Acrylamid.

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Praktisch, leicht, bekömmlich - Eltern drücken ihrem Kind gerne mal Reiswaffeln als Snack für zwischendurch in die Hand. Aber sind sie wirklich so gesund? Für unseren Test ließen wir 19 Reiswaffeln auf Schadstoffe überprüfen.

Das Testergebnis

In allen Waffeln steckt krebserregendes Acrylamid und Arsen. Mehr als die Hälfte fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Nur die "guten" Waffeln von Hipp können wir noch empfehlen - allerdings auch nur zum gelegentlichen Verzehr.

Dass Arsen im Reis steckt, weiß man schon lange.Doch in Reiswaffeln ist der Anteil der giftigen anorganischen Arsenverbindungen besonders hoch - er liegt im Schnitt bei 80 Prozent. Um das Arsenproblem in den Griff zu kriegen, suchen Forscher bereits nach Methoden, den Reis zu entgiften. Solange dies nicht gelingt, ist es Aufgabe der Hersteller, sicherzustellen, dass der Reis auf Böden angebaut wird, die weniger belastet sind.

Fast alle Produkte enthalten eine gehörige Portion Acrylamid. Das Krebsgift entsteht beim Backen der Reiswaffeln. Am stärksten belastet sind die Hig Hagemann Reis Waffeln. Zwar sind die meisten Produkte nicht für Kinder ausgelobt, dennoch werden sie gern als Snack gegeben, deshalb bewerten wir streng. Für die Waffeln von Alnatura und Rossmann gibt es doppelten Punktabzug, da sie eigens für Babys "ab dem 8. Monat" ausgelobt sind - hier erwarten wir einen höheren vorsorgenden Schutz. Im Übrigen lässt sich der Acrylamidgehalt reduzieren - beispielsweise durch eine geringere Temperatur beim Backen.

In den Testprodukten von Rewe und Dennree steckt zu viel Cadmium. Vor drei Jahren hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge für das giftige Schwermetall stark gesenkt. Mit jeweils einer Portion (etwa zwei bis drei Waffeln) der beiden belasteten Produkte wird die daraus errechnete täglich akzeptable Menge zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft.

Gut die Hälfte der Testprodukte enthält zugesetztes Salz. Aber auch in den anderen Marken steckt Natrium, ein Bestandteil von Kochsalz, weil das Element natürlicherweise in Reis vorkommt. Insgesamt sind die Gehalte jedoch gering. Zum Vergleich: Brot enthält je nach Getreideart bis zu dreimal mehr Salz. Experten empfehlen allerdings, Beikost und Reiswaffeln grundsätzlich ohne zugesetztes Salz zu kaufen.

"Meersalz" steht auf der Zutatenliste der Lima Rice 100 % Dünne Vollkorn-Reiswaffeln. Tatsächlich gefunden hat das beauftragte Labor nur Bruchteile der deklarierten Natrium- beziehungsweise Salzgehalte. Noch schlechter: Dennree führt mit seinen Reiswaffeln ungesalzen die Verbraucher komplett in die Irre. Festgestellt wurde ein Vielfaches der deklarierten Gehalte. Ärgerlich für Eltern, die eine ungesalzene Waffel kaufen wollten.

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Das Angebot an Reiswaffeln ist groß. Seit einiger Zeit kommen zunehmend Mischwaffeln auf den Markt mit Hirse-, Mais-, Sesam- oder Amaranthanteil, mit oder ohne Salz. Das spiegelt sich auch in unserer Produktauswahl wieder. Auf Süßkram mit Schoko-, Kokos-, Joghurt- oder Vanilleüberzug haben wir dagegen verzichtet. Meist werden Reiswaffeln nach wie vor in der puren Version gekauft. Erfreulich: Es gibt wesentlich mehr Bio-Waffeln als konventionelle.

Die Inhaltsstoffe

Reiswaffeln gelten als gesunder Pausensnack. Doch die knusprigen Scheiben enthalten mehr, als einem lieb sein kann. Das liegt vor allem an der Reispflanze, die dazu neigt, Arsen aus Boden und Wasser aufzunehmen und anzureichern. Besonders giftig ist die anorganische Form. Deshalb ließen wir die Reiswaffeln getrennt auf organisches und anorganisches Arsen untersuchen. Weiterhin auf der Fahndungsliste: Die Schimmelpilzgifte Aflatoxin und Ochratoxin A sowie das Schwermetall Cadmium - Übeltäter, die auf natürlichem Wege ins Getreide kommen können beziehungsweise über Düngemittel und Klärschlamm. Das Krebsgift Acrylamid entsteht, wenn kohlenhydratreiche Lebensmittel hoch erhitzt werden.

Die Bewertung

Da es hierzulande für Arsen noch keine Grenzwerte gibt, benoten wir Reiswaffeln auf der Basis von Expertenempfehlungen. So bewerten wir Gehalte von mehr als 200 Mikrogramm anorganischer Arsenverbindungen pro Kilogramm (µg/kg) Lebensmittel streng. Grund dafür sind die Verzehrsgewohnheiten sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen, die zum Beispiel Gluten aus Weizen und Roggen nicht vertragen oder sich mit Reiswaffeln kalorienbewusst ernähren wollen. Schließlich sind Reiswaffeln ja auch nicht die einzige Quelle, aus der der Verbraucher anorganisches Arsen aufnimmt. Eines der wenigen Länder, das einen Grenzwert für anorganisches Arsen in Lebensmitteln festgelegt hat, ist übrigens China. Dort liegt er bei 150 µg/kg.

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